Schelderwaldprüfung 2022

Am Samstag, den 27.August 2022 fand die 10.Verbandsschweiß- und
Verbandsfährtenschuhprüfung des Jagdvereins Kreis Wetzlar von 1875 e.V. im
Schelderwald statt.
Zur diesjährigen Prüfung stellten sich zwei Gespanne den Anforderungen dieser
Prüfung.
Auf der 40 Stunden Fährtenschuhprüfung trat unser Vereinsmitglied Dirk Haubach mit
dem Kopovbrackenrüden „Arko von Wildwutz“ und auf der 20 Stunden Schweißfährte
Sandra Vierling mit ihrer Labrador-Retriever Hündin „Daktari vom freien Blick“ an.
Los ging es um halb acht, um der sehr warmen und trockenen Witterung der letzten
Wochen halbwegs Rechnung zu tragen und die Bedingungen für die Hunde nicht noch
schwieriger zu gestalten. Begonnen wurde mit der 40 Stunden Fährte, präpariert mit
dem Fährtenschuh und entsprechenden Schwarzwildschalen, dazugehörigem Schweiß,
Borsten und Knochensplittern am vorangegangenen Donnerstagmorgen.
Dieser anspruchsvollen Aufgabe stellte sich Dirk Haubach mit dem vierjährigen Rüden
Arko.
Nach Einweisung am Schützenstand lässt der Hundeführer seinen Hund im markierten
Bereich von 30x30m vorsuchen, nach kurzer Zeit nimmt dieser zielstrebig die Fährte
mit tiefer Nase an. Nach konzentrierter Arbeit auf der Fährte kommt das Gespann
nach etwa 250 Meter an den ersten Haken. Dieser wird exakt vom Rüden gearbeitet,
der etwas zweifelnde Führer wird durch das konzentrierte Weiterarbeiten trotz des
Fährtenverlaufs im Steilhang überzeugt. Die Erleichterung ist deutlich spürbar als
das Gespann das erste Wundbett, deutlich durch den Hund verwiesen, findet. Weiter
geht’s durch Buchenrauscher, dann vorbei an einer frisch angenommenen Suhle etwa in
der Hälfte der 1000 Meter Fährte. Durch eigenständiges Bögeln, Erkennen der
Schwierigkeit durch den Führer, Zurückgreifen und kurze Beruhigung durch Ablegen
des Hundes wird diese Schwierigkeit erfolgreich gemeistert. Nach weiterer
konzentrierter Arbeit durch hohen Farn und Buchenrauschern und flottes Arbeiten der
beiden weiteren Haken führt der letzte Fährtenabschnitt über eine Windwurf und
Borkenkäferfläche mit Brombeer- und Himbeerunterwuchs. Etwa 80 Meter vor dem Ende
der Fährte springt in den Himbeeren ein Fuchs ab, hier wird der Hund kurz laut.
Nach nur kurzer Ermahnung und Beruhigung nimmt der Rüde die Fährte wieder gewohnt
sicher und konzentriert an und kommt erfolgreich zum Stück. Die Erleichterung und
Freude über diese Arbeit war allen anzumerken, beim Verblasen des Stückes sang auch
der Rüde lauthals mit.
Der Aufgabe der nächsten Fährte stellte sich die Hundeführerin Sandra Vierling mit
ihrer Labrador-Retriever Hündin Daktari. Bei dieser Fährte handelte es sich
um eine am Freitagvormittag getupfte Schweißfährte, ebenfalls mit
Schwarzwildschweiß hergestellt.
Nach systematischer und ruhiger Vorsuche findet die Hündin den Anschuss, untersucht
diesen intensiv und gründlich und nimmt auch alle Verweiserzeichen genüsslich auf.
Sehr ruhig und konzentriert wird die Fährte sicher angenommen und auch in gleicher
Arbeitsweise gründlich, äußerst sicher in bedächtiger Arbeitsweise ausgearbeitet.
Im gesamten Fährtenverlauf werden Verweiserpunkte und Schweiß oft deutlich
verwiesen und auch von der Führerin gemeldet. Mehrmals lässt die Führerin ihre
Hündin ablegen und pausieren und gibt ihr Wasser. Diese offensichtlich der Hündin
bestens vertraute Vorgehensweise wird in ganzer Ruhe mitgemacht und die Fährte auf
Anweisung und selbstverständlich wieder in aller Ruhe konzentriert wieder
aufgenommen. Auch die Haken werden von der Hündin mit gleichbleibender Ruhe und
Konzentration gearbeitet. Beim letzten Haken nach kurz zuvor in vertrauter Weise
top angezeigtem Verweiserpunkt wird die Führerin sichtlich nervös, zweifelt am
weiteren Fährtenverlauf und versucht zunehmend auf den Hund einzuwirken. Dieser
lässt sich nicht beirren, nimmt trotz zurücknehmen die Fährte wieder exakt auf und
lässt durch weiteres Verweisen von Schweiß alle Zweifel der Führerin verschwinden.
Nach knapp vierzig Minuten kommt das Gespann nach überzeugender, sicherer und
ruhiger Arbeit an.
Nach den erfolgreichen Arbeiten folgte der Abschluss der Prüfung mit Grillen und
Preisverleihung am Forsthaus Tringenstein.
Die Arbeit des Gespanns Dirk Haubach mit Kopovbrackenrüde Arko von Wildwutz wurde
auf der 40 Stunden Fährtenschuhprüfung aufgrund der insgesamt sicheren, flotten und
zielstrebigen Arbeit mit einem 1.Preis bewertet. (FS/I)
Auch Sandra Vierling mit ihrer Hündin Daktari vom freien Blick wurde aufgrund der
überzeugenden, sicheren und ruhigen Arbeit mit einem 1.Preis auf der 20 Stunden
Verbandsschweißprüfung prämiert.
Beide Gespanne konnten neben Urkunden und Wanderpokal auch die Sonderplakette des
Landesjagdverbandes für die erfolgreichen Arbeiten entgegennehmen.
Abschliessend noch ein Dank dem Hessischen Forstamt Herborn, stellvertretend
Forstamtsleiter Jochen Arnold, zur Verfügungstellung der Waldflächen im Bereich
Schelderwald, der mit seiner abwechslungsreichen Struktur und Wildvorkommen eine
ideale Voraussetzung für eine solche Prüfung liefert.
Einen ganz besonderen Dank gilt natürlich der Revierleiterin Anne Reichert und dem
ehemaligen Revierleiter Wolfgang Pohl, für die Revierführung, der Fährtenauswahl,
ihrer Hilfe beim Fährtenlegen und Unterstützung während der gesamten Prüfung. Ohne
diese Hilfe wäre eine solche Prüfung in dieser professionellen, unkomplizierten und
stressfreien Art und Weise nicht durchführbar.
Auch gedankt sei dem Richterteam, dieses Jahr bestehend aus Michael Becker, Klaus
Velten, Matthias Plefka und Schweißrichteranwärterin Andrea Lotz sowie den
Jagdhornbläsern für den entsprechenden Rahmen der Prüfung.
Auch im Jahr 2023 wird wieder eine Verbandsschweißprüfung und eine
Fährtenschuhprüfung, beide jeweils für 20 und 40 Stunden Fährten, vom Jagdverein
Wetzlar im Schelderwald angeboten. Der Termin wird wieder am letzten Wochenende im
August, also am 26.08.2023 sein.
Für Hundeführer, die ihre Hunde auf Nachsuche einsetzen, sollte es
selbstverständlich sein, sich einer solchen Herausforderung einer Verbandsprüfung
zu stellen und mit der intensiven Vorbereitung auf eine solche Prüfung den
Grundstein für einen gut ausgebildeten Nachsuchenhund und damit tierschutzgerechten
Einsatz zu gewährleisten.
In der Hoffnung auf eine rege Teilnahme im neuen Jahr.

Matthias Plefka